Es geht auch ohne 24 Stunden Weide | 4my.horse

Suche

  • Folge uns auf

Es geht auch ohne 24 Stunden Weide

Heute möchte ich mal einen kurzen Erfahrungsbericht zu unserem „Weidemanagement“ abgeben. Die Themen Weidezeit, Weidedüngung usw. werden ja immer wieder heiß diskutiert. Viele Meinungen kursieren, viele Standpunkte sind vertreten. Deshalb möchte ich jetzt keine Grundsatzdiskussion rund um die Weide beginnen, sondern einfach berichten, wie wir es seit rund vier Jahren handhaben und welche Erfahrungen wir damit gemacht haben.

Die Stutenherde bewohnt ganzjährig den ca. 8.000qm großen Trail – hat also zu jeder Jahreszeit ausreichend Bewegungsfreiheit. Deshalb ist es bei uns nicht so, dass die Weide quasi als Auslauf zwingend notwendig ist. Doch natürlich lieben die Pferde das leckere Grün und ein paar Extra-Galopprunden werden trotzdem genossen. ;) Unsere Weide ist etwa drei Hektar groß, würde also als Vollverpflegung für die rund 15-köpfige Herde in keinem Fall ausreichen. Das war uns von Anfang an natürlich bewusst. Da wir vorher mit unseren Pferden selbst Einsteller waren und lange Weidezeiten gewohnt, sahen wir der Sache erst einmal mit gemischten Gefühlen entgegen. Wie reagieren die Pferde auf eine relativ kurze Weidezeit am Tag? Sind sie gestresster als sonst im Sommer? Fehlt ihnen was? Diese Fragen und noch viel mehr gingen uns durch den Kopf.

Doch schon vor der Eröffnung unseres Pensionsstalls hatten wir den Eindruck, dass die begrenzte Weidezeit bei den potenziellen Einstellern eher auf positive Resonanz stieß. Viele wollten nicht 12 oder 24 Stunden Weide, aus unterschiedlichsten Gründen. Einige kamen aus Ställen, in denen es während der Sommerweide gar keine Heufütterung gibt. Das bekam vielen Pferdemägen aufgrund des fehlenden Rohfasergehalts nicht gut. Andere Pferde gingen im Sommer auf wie Hefeklöße, weil das fette und satte Grün einfach viel zu gehaltvoll war. Bei manchen war die gefürchtete Rehe und andere Stoffwechselerkrankungen die Folge. Denn pferdegerechte Weiden gibt es bei uns in der Region schlichtweg nicht. Oftmals sind es Hochleistungsgräser, die primär für die Milchviehhaltung gezüchtet werden. Das vertragen viele Pferde nicht. Und mal eben eine Weide in einer kräuterreiche, artgerechte Magerwiese für Pferde umwandeln? Ja, diesen Traum hatten wir auch, ganz kurz…und kamen ganz schnell in der Realität an.

Denn welche Gras- und Kräuterarten auf der Weide wachsen, hängt natürlich vor allem von der Bodenbeschaffenheit ab. Wir haben schweren Lehmboden, da ist es mit der Artenvielfalt schon mal nicht so einfach. Und damit sich Kräuter und erwünschte Gräser überhaupt aussamen, also vermehren können, müssen sie blühen und ihre Samen abwerfen. Das klappt nicht, wenn sie vorher von einer gierigen Pferdeschnute vertilgt werden. Also müsste man eine große Fläche absperren und erst einmal lange ruhen lassen. Das ist bei mickrigen drei Hektar eigentlich schon utopisch. Und dann ist trotzdem nicht sicher, dass die sorgfältig ausgesuchten und ausgesäten Gras- und Kräutersorten gedeihen. Wir haben uns mehrfach beraten lassen, viele Informationen zusammengetragen und es eigentlich als nicht-durchführbar (zumindest im großen Stil) abgehakt. Jetzt säen wir zwar mit den erwünschten Grassorten nach…aber von einer pferdegerechten Magerwiese sind wir noch Lichtjahre entfernt. Das ist eine Tatsache, die man nicht schönreden kann.

Unsere Sorgen im Vorfeld hätten wir uns auf jeden Fall sparen können. Die Pferde haben überhaupt keine Probleme damit, dass die Weide im Sommer maximal vier bis fünf Stunden geöffnet ist. Bewegen können sie sich immer, die Weidezeit ist ein Bonus oben drauf. Da sie immer Raufutter zur Verfügung haben, brauchen sie das Gras nicht, um satt zu werden. Natürlich wird es gern gefuttert, das streite ich nicht ab. Doch sie kommen immer mal wieder von der Weide, um Heu zu fressen. Während der Weidezeit haben die Pferde jederzeit Zugang zum Trail. Wenn es also zu warm ist, sie Durst haben, im Schatten dösen oder halt doch lieber weiter Heu fressen möchten, können sie es selbst entscheiden.

Wenn es das Wetter irgendwie zulässt, dürfen sie das ganze Jahr über auf die Weide. Im Herbst und Winter natürlich deutlich kürzer. Aber so müssen sich der Magen-Darm-Trakt und der Stoffwechsel nie komplett umstellen, da ein bisschen Grün immer zur Verfügung steht. Natürlich ist die Weidezeit dann stark eingeschränkt, wir reden hier von 30 Minuten oder maximal einer Stunde am Tag. Im Vorfeld haben wir mit Tierärzten gesprochen, weil man immer wieder hört und liest, dass Gras zur „Nicht-Weidesaison“ Rehe auslösen kann. Doch da die Pferde es gewöhnt sind und die Dauer so stark reduziert, sahen sie es nicht als bedenklich an. Garantieren kann es niemand, passieren kann es trotzdem. Ob das dann letztendlich an der Weide, am zu viel an Kraftfutter, an zu wenig Bewegung oder an einer anderen Ursache liegt…das ist auch für Fachleute extrem schwer zu beantworten. Wir haben damit bisher keine negativen Erfahrungen gemacht, aber das kann bei einer anderen Herde, einer anderen Weide usw. anders sein. Ich schildere hier nur unsere ganz persönlichen Erfahrungen und sage nicht, dass es bei allen so ist. Letztendlich muss jeder es für sein Pferd selbst entscheiden. Ich glaube sogar, dass es viel schlimmer für den Organismus ist, monatelang kein Gras zu verdauen und dann im Frühjahr/Sommer dafür Unmengen, die sehr plötzlich verstoffwechselt werden müssen. Doch wie am Anfang schon geschrieben, möchte ich hier keine Grundsatzdiskussionen auslösen, sondern nur unser „Weidekonzept“ beschreiben.

Mein Fazit: Auch mit eingeschränktem Weidegang sind die Pferde bei uns zufrieden und ausgeglichen. Zumal die Gruppe immer zusammen die Weidezeit verbringen kann. Es wäre vermutlich längst nicht so harmonisch, wenn einige deutlich länger auf der Weide bleiben dürften, während andere als „Zaungäste“ dabei zusehen müssten.

Inhalt teilen: 

Die Shoplösung für alle, die online verkaufen möchten

Einfach online verkaufen

Events, Produkte, Pensionsplätze, Flohmarkt und mehr

Jetzt den Marktplatz entdecken