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Wie erkenne ich einen guten Osteopathen

PFERDEOSTEOPATH IN 10 TAGEN?

Autorin: Marion Hütten, Pferdeosteopathin

Normalerweise bin ich kein Freund von permanenter Großschreibung, aber im Falle dieser Überschrift musste es ausnahmsweise zum Zwecke der Auffindbarkeit des Artikels sein. Ich habe mich zum Verfassen dieses Artikels entschieden, da mir in letzter Zeit wieder vermehrt "Diagnosen" über den Weg laufen wie ausgekugelte Hüftgelenke, rausgesprungene Wirbel oder -der Klassiker- einen Wahnsinns-Beckenschiefstand. Und das Beste: All diese Pferde stehen erstaunlicherweise noch auf 4 Beinen, zeigen keinerlei Lähmungserscheinungen bzw. neurologische Ausfälle, fressen munter und zeigen allerhöchstens eine latente Lahmheit.

Diejenigen, die mich kennen, hören vermutlich schon die Ironie in den vorangegangenen Sätzen. Ich möchte hier nicht mehr und nicht weniger als Pferdebesitzer für das Thema "Tiertherapeut" zu sensibilisieren:

Humanphysiotherapie und Humanosteopathie

Um das Thema verständlich zu machen, erkläre ich zunächst den Ausbildungsweg, den ein Humanphysiotherapeut- und osteopath absolvieren muss, um Menschen behandeln zu dürfen, ohne sich strafbar zu machen:

Ein Humanphysiotherapeut durchläuft mindestens eine dreijährige schulische und praktische Ausbildung (natürlich Vollzeit) mit insgesamt 4.500 Stunden. Das Staatsexamen dauert insgesamt mehrere Wochen und man muss alle drei Teile (schriftlich, mündlich, praktisch) mindestens mit "ausreichend" bestehen. Viele junge Physiotherapeuten entscheiden sich heutzutage noch zusätzlich für den "Bachelor of Arts" - ein weiterer, langer Lernprozess mit Abschlussarbeit.

Nun zur Humanosteopathie: Hierzu werden ausschliesslich Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker zugelassen. Die Ausbildung umfasst weitere ca. 1.400 Unterrichtsstunden berufsbegleitend und dauert in der Regel nochmal fünf (!!!) Jahre mit Abschlussarbeit- und prüfung. Die Kosten sollen in diesem Artikel eigentlich keine Rolle spielen, aber nur soviel: Die Humanphysiotherapie- und Osteopathieausbildung zusammen kosten zusammen ungefähr soviel wie ein neuer Mittelklassewagen mit Vollausstattung.

Die Dauer der Ausbildung ist notwendig und gerechtfertigt, um die unterschiedlichen Bereiche der Osteopathie als eigenständige und wirksame Form der Medizin zu erlernen und andererseits seine eigenen Hände zu feinfühligen Instrumenten zu schulen!

Pferdeosteopathie

Nun zur Ausbildung Pferdeosteopathie: Man kann es kurz machen - es ist nichts gesetzlich geregelt. Das bedeutet mit anderen Worten, dass mein Nachbar mit dem Möbelladen nicht nur ohne jegliche Vorerfahrung diese "Ausbildung" an irgendeinem ominösen "Institut" absolvieren darf - er könnte sogar eine eigene "Akademie" gründen und lustig "Therapeuten" ausbilden. Und das auch, wenn er zuletzt vor 30 Jahren auf der Kirmes beim Ponykarrussel Kontakt zu einem flauschigen Wesen hatte.

Vermutlich wird mein Nachbar das nicht tun (in Wirklichkeit habe ich gar keinen Nachbarn), ich möchte damit nur klar machen, in welcher Polarität wir uns bewegen!

Was aber tun, um zu vermeiden, dass ein ehemaliger Möbelverkäufer mit einem "Zertifikat" von irgendeiner "Schule" ankommt und sich nach 10 Tagen "Ausbildung" als Pferdeosteopath bei mir verkauft? Ganz ehrlich, wer von euch fragt den anwesenden Therapeuten nach seiner medizinischen Grundausbildung oder bei welchem Institut er wie lange gelernt hat? Vermutlich nicht so viele. Und da liegt der Hund (oder das Pony) begraben: Da die aufwendige Ausbildung im Humanbereich allgemein bekannt ist, gehen sehr viele davon aus, dass es im tier-therapeutischen Bereich ähnlich aussieht und wer "Pferdeosteopath" auf der Visitenkarte stehen hat, muss ja automatisch ein ganz toller Typ sein.

Leider ist das bei weitem nicht so! Die gute Nachricht ist, dass die meisten Therapeuten eine mehr oder weniger ordentliche Homepage besitzen. Aus dieser Homepage sollte der berufliche Werdegang hervorgehen. Tut es das nicht, darf man schon zum ersten Mal misstrauisch werden, da gute Therapeuten zurecht stolz auf ihre umfangreiche und langjährige Ausbildung sind und mit diesen Angaben niemals geizen werden.

Der Optimalfall

Marion HüttenIm Optimalfall hat der Therapeut/ Osteopath eine human- oder veterinärmedizinische Grundausbildung. Einige Ausbildungsinstitute lassen ausschliesslich Tierärzte, Humanphysiotherapeuten und Tierärzte zur Ausbildung "Pferdeosteopathie" zu.

Gibt es diese Grundausbildung nicht, sollte der Quereinsteiger mit einer ziemlich langen Liste an Kursen, Seminaren und vor allem Praktika und Hospitationen bei erfahrenen Therapeuten aufwarten können. Gerade der letzte Punkt mit der Hospitation begegnet mir quasi nie. Ich arbeite jetzt seit 17 Jahren als Humanphysiotherapeutin und seit 10 Jahren zusätzlich als Pferdeosteopathin. In dieser Zeit haben mich viele junge Menschen kontaktiert, ob sie ein Praktikum in meiner Physiotherapie-Praxis absolvieren können. Aber nicht eine einzige Anfrage für die Pferdeosteopathie! Obwohl die "Therapeuten" inklusive der dazugehörigen "Institute" in den letzten Jahren gefühlt aus dem Boden sprießen.

Diagnosen oder Orakel?

Letztendlich kommt es dann sehr häufig zu den Situationen, die ich eingangs beschrieben habe: Es werden aufgrund mangelnder anatomischer und medizinischer Kenntnisse die haarsträubendsten "Diagnosen" gestellt, es wird wild behandelt ohne ordentlichen Befund und das Ergebnis ist dann in der Regel ernüchternd: Es hat nichts gebracht.

Im besten Fall hat das Pferd keinen weiteren Schaden genommen.

Im schlimmsten Fall wird mit einer falschen Diagnose so lange "rumgedoktert", bis der Besitzer doch mal den Tierarzt ruft, der dann feststellt, dass bei früherer, korrekter Diagnosenstellung bereits entstandene Folgeschäden hätten vermieden werden können. Solche Geschehnisse sind im übrigen (im Gegensatz zu meinem möbelverkaufenden Nachbarn) nicht erfunden, sondern begegnen mir leider häufiger.

Dass solche Ereignisse sich negativ auf alle Therapeuten (auch auf die guten) abfärben, muss ich wohl nicht erwähnen.

Bitte so oft wie möglich teilen. Eure Pferde werden es euch danken.


Seriöse Pferdeosteopathen verfügen über ein solides Studium.

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