Testbericht Equizaum | 4my.horse

Suche

  • Folge uns auf

Testbericht Equizaum

Equizaum – der Zaum für alle Fälle

Autorin: Karin Hufschmid

Prinz mit Equizaum

Gebisslose Zäumungen, ihre Wirkungsweisen, Einsatzgebiete und Handhabung, faszinieren mich seit Jahren. Ich reite regelmässig mit Lindel-artigem Sidepull, Natural Hackamore, Hals-Seilchen oder Kappzaum. Am Caveçon und Knotenhalfter arbeite ich vom Boden. Kalifornische Hackamore ("Bosal"), Glücksräder, das Rai-Bändele und Bitless Bridle nach Cook durfte ich mehrfach ausprobieren, klassische Western-Sidepulls, steife Halsringe und Aussenkandaren (mechanische Hackamores) hatte ich vor Jahren verwendet. Unterdessen hab ich viele Erfahrungen und somit auch Meinungen zu den Zäumen und ihren Sinn, sowie manchmal ihre Sinnfreiheit.

Wieso Heimbasteleien ungeeignet sind

Jegliche "Heimbasteleien" aus (Beta-)Biothane sind mir grundsätzlich ein Gräuel. Oft sind sie nicht nur höchst unsicher genietet und verschraubt (statt aufwändig vernäht), sondern auch noch aus zu dünnen Riemen, in völlig sinnlosen Abmessungen oder kombiniert mit komplett ungeeigneten Oberflächen wie Flechtarbeiten. Nicht selten sieht man auf den ersten Blick, dass der Erschaffer des Kunstwerkes von Farben mehr Ahnung hatte als von der Funktionsweise des Zaumes.

Und dann kam da dieser neue, ganz andere Betabiothane-Zaum daher: Vernäht, durchdacht und selbst auf den zweiten Blick nur schwer von einem Lederzaum zu unterscheiden. Ein Lichtblick am bunten Biothane-Himmel? Oder nur ein neuer Verkaufs-Gag gewiefter Geschäftsleute? Als ich auf ihn stiess, war der Equizaum offenbar bereits in der "Neuauflage". Also war er einerseits schon gut verkauft worden (sonst lohnt sich eine Überarbeitung nicht), und die Verkäufer überlegen sich bei ihrem Produkt was, entwickeln es weiter. So weit, so gut, meine Neugier war geweckt, es folgte die Bestellung. Ein Basic Modell mit Funktionen Halfter, Kappzaum, Sidepull, Trense, Trense mit Weiche. Schlichtes Schwarz, mit dezent violetten Nähten und geschlossenen Zügeln. Die Spannung stieg, dann endlich Post aus Deutschland.

Die erste Anprobe

Die erste Anprobe hält, was die Verkäufer(innen) versprechen: Sitzt wie angegossen (Arbeiten auf Mass erlauben dies auch für Nicht-08/15-Schädel), kann sehr variabel eingestellt werden. Die Verarbeitung ist top, die Riemen breit und an allen empfindlichen Stellen gut gepolstert. Sogar sinnvolle Tipps zur idealen Verschnallung und Verwendung gibt es - vorbildlich. Man spürt an der Verkaufs-Kommunikation und am Produkt, dass da mehr Passion dahinter steckt als Marketing und Geldmacherei. Noch während der ersten Anprobe zeigt die Stallkollegin sich interessiert für die Variante mit Weiche – für die Jungpferdeausbildung.

Test 1, Halfter am Anbindeplatz:

Equizaum als Halfter

Locker verschnallt frisst Prinz damit gemütlich sein Kraftfutter, zieht auch mal daran, nichts verrutscht. Einzig dass das Ganze etwas klobiger ist als ein durchschnittliches Stallhalfter würde mich davon abhalten, den Equizaum nur als solches zu verwenden. Dazu ist er einfach nicht gemacht, er ist zu Höherem bestimmt (und als reines Halfter auch schlicht zu teuer).

Test 2, Handarbeit und Teschen Longenkurs:

Das Seil ist auf der Nase mittig eingehakt, der Equizaum ein Loch enger als vorhin als Halfter, aber noch immer sehr locker. Prinz ist knackig, ideal für einen Testlauf. Wir machen Seitengänge im Schritt, Galopp auf kleinem Zirkel, etwas Natural Horsemanship, Trab in Stellung auf mittlere Distanz.

Aufmerksam im Equizaum

Prinz reagiert gut und willig auf die Signale, ich erkenne kaum Unterschiede zur Arbeit am Caveçon. Vielleicht, dass ich etwas genauer mit meinen Signalen sein muss, da der Equizaum durch die breiten Polster nicht ganz so präzise ist. Für die sehr feine Handarbeit auf höherem Niveau würde ich evtl. eher beim Caveçon bleiben. Doch an Tagen, wo ich mehrere Dinge (Spaziergang, Reiten, Bodenarbeit, ...) mische, werde ich ganz sicher nicht auch noch das Caveçon mitschleppen, sondern die verschiedenen "Disziplinen" mit dem Equizaum ausführen. Zum Natural Horsemanship: Der Equizaum ersetzt natürlich kein Knotenhalfter (das ist eines der wenigen Dinge, für die er NICHT konzipiert ist), aber auch Horsmanship-typische Signale wie Vibrieren am Seil kommen bei meinem – zugegeben darin sehr geübten – Wallach sofort unmissverstanden an.

Test 3, Sidepull auf dem Platz:

Zügel in den seitlichen Sidepull-Ringen, die perfekt auf der Linie der Maulspalte liegen (auch leicht darüber wär noch tiptop). Der Equizaum bleibt genauso locker verschnallt wie bei der Bodenarbeit. Kein Verrutschen beim Biegen (extra nur über den Zügel), Seitengängen im Schritt. Auch Übergänge, Trabzirkel, Notstopp an einem Zügel, Galopparbeit klappen genau wie bisher jeweils am Lindel-Sidepull. Anschliessendes Wälzen im Sand als Dreck-Härtetest, nach einmal Schütteln sieht der Equizaum aus wie neu.

Equizaum als Sidepull

Test 4, Longieren und Equikinetic:

Die Longe oben mittig verschnallt, in Kappzaum-Funktion. Erst Arbeit in allen Gangarten, mit Fokus auf Übergänge, Antraben aus dem Rückwärts, Tempowechsel innerhalb der Gangart und Zirkel vergrössern und verkleinern. Klappt wie am Schnürchen, ich merke kaum einen Unterschied zum sonst verwendeten Caveçon. Auch in der Equikinetic zeigt sich der Equizaum als ideal, Prinz geht brav in Schritt und Trab auf der kleinen Volte durch die Gassen. Es verrutscht nichts.

Test 5, klassischer Unterricht Boden und Sattel:

Vom Putzplatz bis zum Reiten nur den Equizaum in Gebrauch, anstatt Halfter, Caveçon und Trensenzaum. Einfach praktisch! Am Boden spanischer Schritt zur Schulterlockerung, dann Schulter- und Kruppeherein inkl. daraus Antraben. Der Einfachheit halber hab ich die Zügel des Equizaums dazu als Führ-Seilchen genommen. Das Betabiothane und auch die Karabinerchen sind so leicht, dass dies problemlos geht. Vor dem Aufsteigen Trense und Zügel umgehängt, und fertig (Trense ohne Weiche). Erst war ich etwas skeptisch, weil doch einiges an Kappzaum-Material zwischen Pferdekopf und Trensenringe zu liegen kommt und die winzigen Karabinerchen der Trensen-Riemchen nicht so stabil aussahen. Doch meine Reitlehrerin bestätigte, was ich schon fühlte: Weder bei der Arbeit am Boden mit Kappzaum-Funktion, noch beim Reiten mit Gebiss bemerkten wir in dieser Einheit einen Unterschied zu unserer sonstigen Ausrüstung.

klassischer Unterricht im Equizaum

Test 6, Ausritt:

Windiges Wetter, Equizaum mit zwei Zügelpaaren an den Sidepull- und Trensenringen. Was anfangs nach etwas viel Material und Überschneidung von Trensenringen und Sidepull-Ringlein aussieht, erweist sich in der Praxis als äusserst komfortabel. Wie die alten Reitmeister reite ich je nach Bedarf mit oder ohne Trense, nutze die Sidepullfunktion zur Unterstützung von Stellung und Richtung, die Trense für Feinheiten der Biegung und Körperhaltung. Klappt gut, zumindest wenn ich die Konzentration nicht verliere. Schritt und Trab, je am Sidepull wie auch über die Trense. Ross und Reiter zufrieden, sowohl auf Bummelstrecken als auch bei etwas Gymnastizierung unterwegs.

Ausreiten im Equizaum

Test 7, Dualaktivierungskurs:

Unterschiedliche Situationen: Anbindeplatz, Warten/Zuschauen, Arbeit an den Dual-Aufgaben (oben mittig in Kappzaumfunktion). Das Ergebnis wie gehabt: Trotz vieler Richtungswechsel und konstanter Verbindung zur Pferdenase rutscht nichts, und wieder ist Prinz genauso zufrieden wie ich.

Dualaktivierung im Equizaum

Das Fazit:

Wenn ein Produkt mehrere Anforderungen abdecken soll, so ist es nur normal, dass es bei einzelnen Funktionen Kompromisse gibt. Ein Generalist deckt viele Gebiete gut ab, der Spezialist auf SEINEM Gebiet aber immer noch viel mehr. Der Equizaum von www.equi-team.de schafft es, die Kompromisse durch wohl durchdachte Lösungen nebensächlich werden zu lassen und in sämtlichen getesteten Varianten durchwegs zu überzeugen.

Ich muss hier vielleicht auch noch anmerken, dass Prinz relativ fein ausgebildet und ein einfaches Pferd ist, bei dem es unterdessen nicht mehr so wichtig ist, mit welchen Instrumenten man mit ihm kommuniziert. Ausserdem haben wir keine grundlegend neuen Lektionen erarbeitet, sondern Bekanntes verfeinert. Ich schliesse nicht aus, dass man langfristig dann doch einige Unterschiede zur spezialisierten Ausrüstung wie Kappzaum und Trensengebiss feststellen würde. Dennoch ist der Equizaum für ein enorm breites Feld von Anwendungen hervorragend geeignet und kann so manchem Reiter Investitionen in mehrere Produkte ersparen.

In zwei Tagen darf Prinz einige Wochen Weidepause antreten. Es gäbe noch unglaublich viel, dass ich gerne testen und beschreiben würde. So zum Beispiel das Fahren vom Boden, die Langzügelarbeit, klassische Handarbeit mit zwei Zügeln an Trense und Sidepull, das Reiten mit den Weichen, die Verschnallung als Halfter beim Handpferd und bei der Springgymnastik an der Hand, etc. Und auch ein richtiger Schlechtwetter-Test mit Regen oder Schwimmen im Fluss wäre spannend, denn nasses Material verhält sich anders als trockenes. Doch das alles muss bis in den Sommer warten, vorerst ist für uns Pause angesagt.

Für den Moment ist mein Fazit aber klar: Die Investition hat sich gelohnt. Ein hochwertiges Produkt, das sehr viele Anforderungen abdeckt und dabei nur die allernötigsten Kompromisse eingeht, welche aber nicht ins Gewicht fallen. Ein toller Alleskönner, sehr zu empfehlen und definitiv jeden Cent wert.

PS, kleine Anmerkung für die Schweizer: Dank des möglich günstigen Versands über Hermes kostet dieser nur 16 Euro. Das macht die Zollabfertigungskosten von bis zu 40 Franken etwas erträglicher.

Karin mit Prinz

Inhalt teilen: 

Die Shoplösung für alle, die online verkaufen möchten

Einfach online verkaufen

Alles für die Bodenarbeit...

Alles für die Bodenarbeit