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Pferdekauf – von Pferderettern, Hobbybereitern und Liebhabern

Pferderetter, Hobbybereiter oder Liebhaber

Welcher Typ bist Du?

Autorin: Karin Hufschmid

Die meisten von uns Freizeitreitern (also jeder, der nicht gewerblich reitet, egal ob Sport oder nicht) kaufen irgendwann einmal ein Pferd oder kennen jemanden, der eins kauft. Und dabei gibt es Muster, die immer wieder vorkommen:

  • Es werden Pferde von der Auktion, dem Schlachthaus, dem bösen Händler gerettet.
  • Es wird das Schul-/Pflegepferd gekauft.
  • Es wird ein Pferd mit schöner Farbe oder cooler Rasse gekauft.
  • Es wird ein süsses Fohlen gekauft.
  • Es wird ein ausrangiertes Sportpferd gekauft.
  • Es wird das Herzenspferd oder Seelenpferd gekauft.

Leider wird nur sehr, sehr selten einfach nur nach dem passenden Pferd gesucht. Die Kriterien reichen von "armer Seele" bis "geilster Farbe" und "niedrigstem Preis", aber leider äusserst selten von "bestem Gebäude" bis "top Gesundheit" oder "idealem Interieur". Dabei müsste eigentlich genau das zählen. Es seien hier die Muster mal etwas genauer beleuchtet:

Das gerettete Pferd

Das gerettete Pferd ist das wohl am weitesten verbreitete Kaufobjekt.

Täglich gehen Pferde zum Abdecker, auf die Auktion, zum Händler oder in den Reitbetrieb. Und täglich müssen sie vor diesen Schicksalen gerettet werden. Man könnte meinen, alle Metzger, Auktionshäuser, Händler und Reitschulen gehören zur internationalen Mafia oder gar dem Teufel persönlich. Nicht selten handelt es sich beim zu rettenden Pferd um ein sogenanntes "Problempferd", oft mit zig Vorbesitzern, einer unbekannten Krankengeschichte und einer noch unbekannteren Ausbildung.

Der Käufer oft mit kaum oder wenig Ausbildungserfahrung und auch nicht dem Kleingeld, sich diese mitsamt gerettetem Hüh mal eben anzueignen. Was definitiv mit allerbester Absicht und wirklich grossem Herzen startet, endet nicht selten bei sehr hohen Ausgaben für Tierarzt, Ausbildung und vielen verzweifelten Tränen (ich bin diesen Weg ein Stück weit gegangen, er ist mehr als hart...). Weggeben geht nicht, wer will schon dieses gefährliche Tier, und das Herz hängt viel zu sehr daran. Ausserdem steht man zu dem, was man einem Tier verspricht. Wer A sagt... und so.

Mit einer Portion Glück landet man mit solch einem Pferd bei einem Pferdemenschen, der einem hilft und den man sich leisten kann. Mit viel Schweiss und einigen Jahren, in denen die Freizeit härtere Arbeit ist als das Arbeitsleben, wächst man irgendwie zusammen und erlebt kleine Erfolge, die einem über all das hinweghelfen, was man erträumte und nie erreichen wird. Aber viele dieser Fälle enden mit eben jenem Schicksal, vor welchem das Tier hätte gerettet werden sollen. Abdecker, Auktion, Händler...

Friese auf Angriff

 

Das übernommene Schul-/Pflegepferd

Auch hier scheint auf den ersten Blick alles perfekt.

Lieblingspony

"Shiny" war schon immer das Lieblingspony in der Reitstunde, oder "Hot Heartbreaker" eine super Reitbeteiligung. Nun muss er – aus welchen Gründen auch immer – einen neuen Besitzer kriegen. Bevor ihn jemand wegschnappt, sichert man sich das Juwel. Doch der erste Glanz ist bald mal weg. Shiny ist ohne seine vielen Einsatzstunden urplötzlich unterfordert und wird zum Ferrari ohne Steuer und Bremse.

Und der Heartbreaker will den Umzug nicht verkraften, bricht mehr Knochen als Herzen und will sich partout nicht an die Hierarchie im Offenstall gewöhnen. Und offenbar macht es einen Unterschied, ob die ehemalige Besitzerin (mit Dressurlizenz und 3 weiteren Pferden) ihn 4x die Woche reitet, oder die Freundin des Sohnes vom Stallbesitzer mal mit ihm spazieren geht.

Das Resultat ist ähnlich. Es steigen Kosten, Adrenalinspiegel und Verzweiflung, dafür sinken Hoffnung, Freude am Reiten und die Anzahl entspannter Ausritte.

 

Die lackschwarze Schönheit mit Papieren

Der Name des Züchters ist so wohlklingend wie der des Pferdes (nicht selten ein Reithengst), und jeder zweite Reiter kennt mindestens einen Namen aus dem Ahnenbaum. Die Rasse "stimmt", es ist ein lackschwarzer Friese, ein Tinker mit Schnauzer und wehender Mähne, ein PRE mit Doppelhals, ein Traki in Perlmuttjacke, ein Hafi mit Herzpopo oder ein Schecke mit blauen Augen.

Auch hier läuft der Kauf perfekt, Pferd und Papier mitsamt Farbe ziehen ein.

Doch – ihr ahnt es – auch hier bleibt nicht alles heiter Sonnenschein. Der Friese ist bald bockig, weil er vom Springsattel Rückenschmerzen kriegt. Der Tinker scheint weder Bremse noch Antrieb zu haben – oder pro Tag nur eines von beidem. Der PRE kehrt im Gelände bei jeder zweiten Kreuzung im (Kreuz-)Galopp um.

Der Traki kommt erst nach 40 Runden Galopp von der Wiese, springt mitsamt Longe und Anhängsel über den Zaun und geht eher durchs Feuer als in den Hänger. Der Hafi hat nach 3 Tagen Wiese den ersten Reheschub und hustet im Takt einer Schwarzwälder Kuckucksuhr.

Der Schecke ist dafür gar nicht so blauäugig, sondern fragt vor jedem Hindernis, ob das wirklich ein Sprung ist, oder nicht doch ein zu umgehendes Ärgernis, ein Stoppschild oder gar Schreckgespenst.

Diese (exemplarischen!) Pferde führen zu all den bekannten Problemen, ihr erinnert euch: Geld, Tränen, Wut, Verzweiflung, Arbeit. Und dann Verkauf.

Der Haflinger

 

Das süsse Fohlen

Das süsse Fohlen beginnt genau so: süss.

Egal ob es in der Reitschule im Dorf plötzlich auf der Wiese steht, im Inserat vom Foto lacht oder bei der befreundeten Züchterin zur Welt kommt: Es ist einfach süss und perfekt. Dazu billig und noch nicht sehr arbeitsintensiv. Und unverdorben!

Leider stellt sich drei Jahre später heraus, dass sich der pferdische Nachwuchs nicht mehr mit der eigenen Familienplanung vereinbaren lässt und die "leichte Fehlstellung" am rechten Vorderbein schon jetzt vierstellige Summen verschlungen hat. Noch ein Jahr später merkt man, dass das Fohlen-ABC beim Vierjährigen wohl doch nicht so gut sitzt und das Anreiten irgendwie schwieriger ist als gedacht.

Es bleibt nicht immer süss

Ausserdem hat man jetzt Familie und kann keine solch hohen Risiken mehr eingehen. Und der Ehepartner hat für das geld- und zeitintensive Hobby einfach kein Verständnis mehr. Ach ja, und offenbar hat die Pleasure-Veranlagung des Papas doch nicht so durchgeschlagen, das wird wohl eher ein Rennpferd. Ist wohl besser, man sucht diesem Jungpferd einen besseren Partner. Aus familiären Gründen zu verkaufen, unverbraucht, heisst es dann.

 

Der ehemalige Sportcrack

Er ging S-Dressur oder war Reserve Champion of the year.

Vielleicht sogar ein Traber von der Bahn. Top Leistungssportler, aber jetzt in Rente oder einfach ausrangiert. Da findet sich ganz sicher irgendjemand, der ihm noch ein paar gute Jahre schenken kann.

Er hat aber "eine kleine Beeinträchtigung" an der Sehne oder dem Auge, weshalb er nicht ohne tägliche Fürsorge einfach auf die Weide kann, er braucht eine Bezugsperson. Diese gutherzige Person findet sich auch meist, nur zu oft wird das letzte Hemd (resp. heute PS4, iPad oder e-Bike) gegeben, um den tollen Frührentner zu finanzieren. Denn es musste vor allem eins sein: Billig. Leider machen Unterbringung (das mit der Gartenwiese fand der Nachbar nicht so toll) und Tierarztkosten (der TA des Vertrauens fährt neuerdings Mercedes) die vermeintlich niedrigen Anschaffungskosten sehr schnell mal wett.

Und irgendwie scheint der eingezogene Liebling auch nicht einzusehen, dass er jetzt zu den Frührentnern gehört, und sich auf Clicker, Knotenhalfter und Zirzensikkurs einlassen soll. Wozu das alles führt, müssten unterdessen alle wissen...

Die Schönheit

 

Herzens- und Seelenpferde

Dass es "einfach Klick macht" scheint der aktuell modernste Kaufgrund zu sein.

Egal wie hoch der Preis, wie schief die Beine, wie flüssig die "Äpfel" oder wie panisch die Augen – es stimmt einfach, denn es ist das Seelenpferd (so stehts in Facebook auf entsprechend benannter Seite).

Da der stolze, frischgebackene Pferdebesitzer in der Regel von der romantisch-leidenschaftlich oder esoterisch-hoffnungsvollen Sorte ist, dauern diese Partnerschaften erstaunlicherweise häufig sehr lange an. Manchmal überdauern sie selbst langwierige Krankheitsphasen (beidseitig), diverse Fluchtversuche (ebenfalls beiderseits) und Fluten von Emotionen (häufig fast synchron).

Das Seelenpferd

Doch irgendwann holt die Realität mitsamt nicht Reitpferd-tauglichem Exterieur, der immer wieder streikenden Verdauung und den regelmässigen Panikattacken auch diese Paare oft ein, und mit viel Trauer und leidenschaftlicher Verabschiedung (oft online zu verfolgen) wird für das Pferd eine andere Lösung gesucht.

Teure Lektionen für Mensch und Tier

All dies sind natürlich überspitzte Beispiele, sie sind zufällig gewählt und laufen sicher häufig auch weit weniger dramatisch ab. Dennoch müssen wir uns alle an der Nase nehmen: Kaum einer kauft sich von Anfang an das passende Pferd. Das erscheint einerseits fast verständlich, man lernt ja mit der Aufgabe. Dennoch darf man nicht vergessen, dass nicht nur wir diese Lektionen teuer bezahlen, sondern auch die Pferde – und dies häufig weniger freiwillig.

So gross die Auswahl auch ist, so sehr das Herz über das Hirn hinweg zu entscheiden drängt und so verlockend unser Traum an die sprichwörtliche Tür klopft: Den Pferden hilft langfristig nur eine wohl durchdachte Kaufentscheidung. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier nicht "nur" von einem Haustier sprechen, sondern von einer mehrjährigen Aufgabe und Verpflichtung. Einer zusätzlichen Arbeit, die unsere ganze Freizeit bestimmt, welche unser Ausgleich in einer hektischen Zeit sein sollte. Welche unser Familienleben, unser Ferienbudget, sogar unseren fahrbaren Untersatz und unseren Wohnort nicht selten beeinflussen oder gar bestimmen. Nicht zu vergessen unsere geistige und körperliche Gesundheit.

In meiner persönlichen Vorstellung sollten Pferd und Mensch sich gegenseitig gut tun. Sie sollten stärker, selbstsicherer, gesünder, fröhlicher, gelassener werden durch gemeinsam gemeisterte Herausforderungen.

Dies soll dazu führen, dass die Züchter tolle Gebrauchspferde dem Zweck entsprechend züchten und diese für beidseits faire Preise verkaufen können. Und dass Tierärzte mehr Vorsorge als Notfälle verrechnen. Dass weniger Pferde zig mal vermeintliche "Chancen" erleben, nur um von Ausbilder zu Ausbilder, von Besitzer zu Besitzer, von Disziplin zu Disziplin und von Korrektur zu Korrektur wandern zu müssen.

So hart es klingen mag: Für ein Pferd gibt es Schlimmeres als den Tod.

Pferde sollten sehr überlegt und zielgerichtet gezüchtet werden (Exterieur und Charakter vor Spektakel und Prestige), sollten in gemischten Herden aufwachsen, von erfahrenen Pferdemenschen erzogen und schonend angeritten werden, von liebevollen Besitzern bewusst und überlegt gekauft werden, mit anderen Pferden und viel Raum gehalten werden, ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert und eingesetzt werden und ein würdevolles Alter bis hoffentlich ins hohe Alter geniessen dürfen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es aber leider nicht nur Herz, Bauchgefühl, Leidenschaft und Empathie, sondern vor allem Planung, (Menschen-/Pferde-)Verstand, sehr viel Wissen, Geduld, etwas Demut und eine Prise Realismus und Objektivität.

Warum kaufst Du ein Pferd?

Wenn ihr ein Pferd kauft (oder jemand in eurem Freundeskreis), dann fragt euch vor dem definitiven Kauf, was die wahren Hintergründe eures Kaufentscheides sind. Ob jemand mit viel Wissen diesen Entscheid gutheissen kann. Was es für euch langfristig bedeutet, genau dieses Pferd zu kaufen. Auch was schief laufen könnte und wie ihr darauf vorbereitet seid (ein finanzielles Polster hilft sehr! Lieber ein, zwei Jahre länger warten, dafür das passende Pferd kaufen und sich guten Unterricht leisten können).

Ich will damit nicht sagen, dass man keine alten, kranken und Not leidenden Tiere retten soll. Gar nicht. Ich sage aber, dass sich einiges solches Leid ersparen und an der Wurzel packen liesse und sich dafür ein anderes Pferd von Anfang an sorgenfreier entfalten könnte. Und man sich sehr, sehr bewusst sein sollte, was man tut und was es für die Zukunft bedeutet. Es gibt für einen Pferdemenschen nichts schöneres, als einen wirklich passenden Partner zu finden. Und oft ist der richtige Partner alles andere als perfekt – ausser eben für den Besitzer, der richtig gewählt hat.

Unser Traum von Harmonie mit dem Pferd

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