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Pferde stärken mit Zirkuslektionen: Anwendungen (4/4)

Teil 4 - Anwendungen


Autoren: Dr. med. Wolf ´Philipp´ Reuber beschäftigte sich als Arzt, Anthropologe und Sachbuchautor viele Jahre mit Stressforschung. Er ist überdies Kunstmaler. Dr. med. vet. Kerstin Reuber behandelt als Tierärztin und geprüfte Tierphysiotherapeutin im Berchtesgadener Land Pferde und andere Großtiere. Sie reitet einen andalusischen Hispano-Araber-Wallach und trainiert ihren Shetlandponyhengst in Zirkuslektionen und an der Kutsche. Wolfgang Hellmayr ist international gefragter Showreiter (aktuell im ungarischen Staatszirkus) und Pferdeausbilder auf seiner eigenen Anlage in Stadl-Paura, Österreich. Er gibt zirzensische Kurse im In- und Ausland.


Rückblick auf die vorhergehenden Folgen

Was ist eigentlich Dressur?

Im ersten Teil hatten wir die Frage behandelt: Was ist eigentlich „Dressur“? Und wir stellten fest, dass noch niemand genau sagen kann, was es konkret bedeutet, einem Tier etwas anzudressieren: Lernvorgänge vom Typus der „Konditionierung“ spielen dabei sicher eine Rolle, sind aber ebenso sicher nicht alles. Denn auch sie basieren auf natürlichen Anlagen und „Instinkten“, die angeboren wurden und nicht erst erlernt werden müssen. Diese Anlagen sind bei unterschiedlichen Tierarten verschieden, und auch innerhalb einer Art verschieden ausgeprägt. Sie zu verstehen fällt schwer, weil Tiere über Sinneskanäle verfügen, die uns Menschen verborgen bleiben.

Will man Dressur in einem artgerechten Rahmen durchführen, dann bleibt deshalb vorerst nur, sich ein möglichst klares Bild von den Möglichkeiten und Grenzen des Tieres zu verschaffen und diese nicht zu überschreiten. Das geht am einfachsten, indem man Verhaltensmuster aufgreift, die das Tier auch in Freiheit zeigt: Nur die behutsame Lenkung und Entwicklung natürlicher Anlagen bietet die Gewähr, dass der Lernerfolg nachhaltig ist. Was künstlich aufgenötigt wird, ist hingegen nicht dauerhaft und läuft Gefahr eines Rückfalls in ursprüngliche Verhaltensweisen mit nachfolgender Unbelehrbarkeit. Zirzensische Lektionen bauen auf natürlichen Grundlagen auf, und sind damit eine abwechslungsreiche, artgemäße Trainingsmöglichkeit für das Pferd.

Voraussetzungen für Dressurarbeit

Im zweiten Teil ging es um die Voraussetzungen: Was sind die Bedingungen für eine solche Dressurarbeit? Kann jeder sie lernen? Oder braucht es dazu spezielle Talente? Erfordert die Dressurarbeit tägliches Training? Werden andere Lektionen dadurch gestört? Welche Ausrüstung ist erforderlich?

Die Antwort: Jedes gesunde Pferd im leistungsfähigen Alter kann zirzensische Lektionen lernen, wenn auch nicht immer alle - zu manchen Übungen gehört ein spezielles Talent, und nicht zuletzt die dafür nötige Muskelkraft und Balance. Doch im Großen und Ganzen kann vom Kleinpony bis zum schweren Kaltblut jedes Pferd auf Zirkuslektionen dressiert werden, wenn man es richtig macht. Richtig, das heißt im Rahmen seiner natürlichen Anlagen. Und die muss man eben kennen. Dazu braucht es eine unvoreingenommene scharfe und geduldige Beobachtung des Pferdeverhaltens in Freiheit, um zu wissen, welche Bewegungsmuster im artgemäßen Repertoire der Tiere liegen, die man aufgreifen, und durch Dressur abrufbar machen kann.

Eine Grundbedingung dafür liegt aber auch in der Zuwendung des Dresseurs: Nur wer sich dazu diszipliniert, genaue und klare Anweisungen zu geben und jede Regung seines Tieres zu verfolgen, kann sich einem Pferd verständlich machen. Denn Dressur ist keine Einbahnstraße, sondern ein Miteinander. Und da Pferde nun mal nicht sprechen können, braucht es eine gute Kenntnis ihrer körperlichen Möglichkeiten, Grenzen und Ausdrucksweisen, um ihren aktuellen und allgemeinen Zustand einschätzen zu können. Dazu gehören auch grundlegende Kenntnisse der Anatomie und der Biomechanik, wie wir sie in unserem Buch „Pferde stärken mit Zirkuslektionen" vermitteln. 

Die historische Herkunft

Im dritten Teil haben wir zunächst die historische Herkunft zirzensischer Lektionen besprochen: Es gibt da eine Tradition, die von altgriechischen Anfängen (Xenophon, um 400 v.Chr.) über die Epochen hinweg bis in unsere Tage reicht, und die entweder bäuerlichen (Hirten), militärischen (Kavallerie) oder repräsentativen Zwecken diente – Reitmeister und meisterliche Reiter dressierten Pferde gezielt für bestimmte Zwecke, und viele der dabei entstandenen Übungen gingen später ineinander über. Sie bilden die „Lektionen“ die man heute im Dressursport, im Zirkus, in Galas oder bei anderen Darbietungen zu sehen bekommt: Geschicklichkeiten wie Piaffe, Passage, Steigen oder „Spanischer Gruß“ wechseln sich mit Kunststücken wie „Kompliment“, „Knien“, Hinlegen, Sitzen, oder gar mit Lektionen der Hohen Schule wie der Levade oder den Lektionen „über der Erde“, also den diversen Sprüngen ab.

Nicht alles davon ist für den Amateur geeignet, entweder, weil die äußeren Bedingungen nicht einzuhalten sind, oder weil die entsprechenden physischen Voraussetzungen nicht ausreichen. Aber die Erfahrung zeigt ohnehin, dass es besser ist, kleine Einheiten gut auszubilden als – buchstäblich - zu große Sprünge zu machen! Denn eine gut einstudierte, relativ einfache Darbietung kommt immer besser an als eine gestümperte Glanznummer. Und dieser Teil unserer Beitragsserie gab einen ersten Einblick in die richtige Arbeit an den Lektionen.

spanischer Gruss am Strand

Ein schöner spanischer Gruss dehnt die Schultermuskulatur und trainiert die Beinheber.

Wozu das alles?                                                        

Damit kommen wir nun, im vierten und letzten Teil unserer kleinen Reihe über Zirkuslektionen zu deren Einsatzgebiet: Wozu übt man so etwas ein?

Im Allgemeinen hat man einfach Freude an der Vorstellung, sein Pferd und dessen Künste in einem festlichen oder fröhlichen Rahmen zu präsentieren. Darüber hinaus gibt es jedoch weitere Anwendungsgebiete, die wir hier zuerst besprechen wollen, bevor wir uns der Show zuwenden:

Zirzensik als Trainingsmethode

Zirzensische Lektionen beanspruchen körperliche Fähigkeiten, die im üblichen Reitbetrieb weniger oder gar nicht gefordert werden. Wer sich ein Bild von den Muskelgruppen und Bandapparaten macht, die bei der jeweiligen Übung den Pferdekörper tragen und halten (s.d. unser „Pferde stärken mit Zirkuslektionen"), dem erschließt sich, dass man solche Übungen als gezielte Behandlung körperlicher Probleme und zum Training spezieller Anforderungen benützen kann:

  • Eine Dehnung und Streckung der Vorhand, wie sie im Spanischen Gruß erreicht wird, hat man zum Beispiel im Standardreiten kaum.
  • Und Balanceforderungen, wie sie sich aus der speziellen Fußfolge im Spanischen Schritt ergeben, stellen ebenfalls eine ungewohnte Leistung dar, die jedoch der gesamten Equilibristik des Tieres nützt – so balancierte Pferde tragen ihren Reiter z. B. in Pirouetten oder Wendungen viel leichter als ein weniger geschicktes Reitpferd.
  • Eher vertraut ist, dass die Piaffe - nach entsprechendem Muskelaufbau - das Untertreten der Hinterhand des Pferdes fördert und ausbildet, was seinerseits die tragende Grundlage für das Reiten als solches ist: Nur wenn die Hinterhand unter den Schwerpunkt an der Sattellinie kommt und das Nacken- und das Rückenband v.a. durch die Bauchmuskeln tragfähig werden, kann das Pferd den Reiter ohne Probleme auf dem Rücken haben und in seiner Bewegung mitnehmen.
  • Noch mehr gefordert wird die Hinterhand im Steigen und in der Levade – nach entsprechendem Aufbautraining strotzen die Pferde hier dann vor Kraft. Und das könnte z. B. einem Springreiter nützen, der zuvor vielleicht nie über Zirkuslektionen nachgedacht hat, weil sie seinem Metier so fremd erscheinen, dass er sie gar nicht als Trainingsoption erkennt.

Das Ausbildungsideal

Gleichwohl ist das athletische Pferd im Grunde das Ausbildungsideal aller reiterlichen und fahrerischen Sparten. Nur liefert das dort übliche Vorgehen in einigen Belangen nicht genügend Anregungen für die Förderung aller Muskelgruppen, Bänder und Gelenke – das Pferd wird einseitig. Bisweilen geht das so weit, dass wegen körperlicher Probleme der Tierarzt zu Rate gezogen werden muss:

  • Taktfehler, die schon wie Lahmheiten wirken,
  • Widersetzlichkeiten, die aus Kräftemangel oder Fehlbemuskelung resultieren,
  • Balanceprobleme, die sich in steifen Gängen und mangelnder Biegsamkeit niederschlagen,
  • Übereiltheiten, in denen das Pferd quasi die Flucht nach vorne antritt, weil es nicht schafft, die Last in Ruhe zu tragen,
  • Stellungsfehler, die auf einseitige Ausrichtung hindeuten, und
  • Triebigkeit, die uns signalisiert, dass das Tier nicht so fit ist, dass es den Reiter gerne trägt –

dies und mehr kann bei hinreichender Kenntnis der Anatomie und Physiologie unter anderem durch entsprechende zirzensische Übungen therapeutisch angegangen und gebessert werden.

Psychotherapie für Stubenhocker

Und es geht noch weiter: Auch mental („psychisch“) kann zirzensisches Training therapeutische Wirkungen haben! Denn wer sich das typische Muster unserer Pferdehaltung durchdenkt, und es mit dem vergleicht, was wildlebende Tiere an Möglichkeiten zur Verfügung haben, der muss sich wohl eingestehen, dass wir gewissermaßen „Stubenhocker“ aus ihnen machen – das Futter kommt zu festen Zeiten vor ihre Nase, es muss nicht stundenlang gesucht werden, was wiederum die Bewegungsvielfalt reduziert; und das Futter ist hochwertiger als es ein Wildpferd findet, sodass es für große körperliche Leistungen ausreichen würde, die dann aber nur stundenweise, und oft nur rudimentär abverlangt werden.

Hat der Vierbeiner hier nicht das Glück, Koppelgang und Paddock zu genießen, dann ist sein natürlicher Bewegungsdrang fast den ganzen Tag auf wenige Quadratmeter gestutzt; und sind keine Herdenkontakte gegeben, dann können auch die arttypischen Sozialbeziehungen, Rangordnungsrituale und Sexualorientierungen nicht ausgelebt, ja nicht einmal erprobt werden.

Doch gerade sie haben wesentlichen Anteil an der körperlichen Entwicklung – man denke nur an die Kraftdemonstrationen rivalisierender Hengste! – wie auch daran, wie sich ein Pferd gegenüber dem Ersatzpartner Mensch verhält: So manche vermeintliche Ungebärdigkeit ist bei genauem Durchdenken nicht mehr als ein Ventil unausgelebter natürlicher Anlagen – was als Marotte erscheint oder sogar zur Stereotypie ausartet (wie das „Koppen“ und „Weben“) hat seinen Ursprung nicht selten in naturwidrigen Haltungsformen.

freie Sozialkontakte sind wichtig

Freie Sozialkontakte sind für Pferde wichtig.

Zu Kompromissen gezwungen

Nun sind die Möglichkeiten zur Verbesserung jedoch begrenzt, denn kaum einem Halter werden ideale Gegebenheiten zu Gebote stehen – weder räumlich noch personell. Man ist also zu Kompromissen gezwungen. Doch man kann wenigstens versuchen, die elementaren Bedürfnisse des Pferdes in kultivierter Form zu ihrem natürlichen Recht kommen zu lassen. Und hierfür bieten sich zirzensische Lektionen als ein gutes Mittel an, weil sie artentsprechende Verhaltensmuster aufgreifen und unter kontrollierten Bedingungen zulassen, die im üblichen Trainingskatalog nicht berücksichtigt werden.

Kinderspielzeug Pony? 

Manche Pferderassen kommen oft sogar ganz zu kurz; vor allem die kleinen Ponys. Sie müssten ja genau so gezielt ausgebildet werden wie ihre großen Brüder und Schwestern, doch sieht man das bedauerlicherweise selten. Denn ihre Miniaturerscheinung suggeriert, sie seien kaum mehr als ein Kinderspielzeug, das man nicht so ernst nehmen müsse wie ein großes Reitpferd. Und das ist ganz falsch: Ponys erweisen sich in aller Regel als besonders intelligent, leistungsstark und lernfähig, wenn man ihnen Gelegenheit dazu gibt!

Ein Kinderspielzeug sind sie jedenfalls nicht, allenfalls ein Gefährte, an dem wache Kinder Freude und Respekt für ein Lebewesen lernen können. Die Ausbildung aber muss ein kundiger Erwachsener übernehmen – Kinder können ja nicht so reiten und handeln, wie eine korrekte Pferdeerziehung es verlangt. Auch das Einfahren ist kein Ersatz für die vielgestaltigen körperlichen und mentalen Optionen, die ein Pony natürlicherweise mitbringt. Und weil man es eben nicht korrekt unter dem Sattel ausbilden kann, braucht es andere Trainingswege, um ein athletisches Pferdchen zu entwickeln.

Hier bieten sich wieder die zirzensischen Lektionen an, zumal auch verständige Kinder daran zu beteiligen sind, und sich darüber erste Erfahrungen als Dresseur aneignen können. Überdies werden dabei die Beziehungen auch zwischen Kind und Pony geklärt und gefestigt, was seinerseits die Unfallgefahr vermindert.

Damit kommen wir zu einem weiteren Thema im Zusammenhang mit Dressur: Ein Mensch, der sich einer fremden Kreatur zuwendet, muss sich seelisch entscheiden:

Handle ich egozentrisch und versuche, das Lebewesen auf mich hin zu lenken, oder wende ich mich ihm selbstvergessen zu?

Dies ist ein fundamentaler ethischer Entschluss, der schon bei Kindern alle späteren Lebenshaltungen prägen kann! Und der nirgends so klar getroffen werden muss, wie in der Begegnung mit einer fremden Art: Gerade deren Fremdheit gibt uns Gelegenheit, sich ein Bewusstsein von der Welt und ihren Dingen zu bilden, das nicht ichbezogen, sondern objektiv ist.

Der altgriechische Philosoph Aristoteles meinte sogar, dies sei Bewusstsein schlechthin. Und wer die Geschichte der Verhaltensforschung durchmustert, wird finden, dass menschliche Selbstbezogenheit über Jahrhunderte hinweg verhinderte, sich ein objektives Bild von unseren Mitgeschöpfen und ihrer Welt zu machen – eine Art kollektiver Bewusstlosigkeit. Erst als man begann, die Dinge aus der Perspektive der Tiere zu sichten, und sich selbst dabei zurück zu nehmen, kamen nach und nach deren erstaunliche Fähigkeiten und Eigenschaften ans Licht. Allerdings erwuchsen aus diesen neuen Einsichten auch Pflichten: Tierschutz ist im Grunde ein Produkt der Aufklärung. Zugleich aber ergaben sich neue Gestaltungsmöglichkeiten – man genießt nun mehr den natürlichen, ungezwungenen Charme von Tieren die sich ausleben dürfen – ein „gewisses Etwas“, das durch keine noch so raffinierte Künstlichkeit ersetzbar ist.

Requisite oder Hauptdarsteller?

Diese ethische Grundentscheidung zieht aber auch eine ästhetische Wahl nach sich: Will man bei einem Auftritt als Dompteur erscheinen, der damit imponiert, dass er ein so großes Tier zu bändigen weiß, oder will man die Grazie und Kraft des Pferdes in den Vordergrund stellen? Beides hat sein Publikum – es gibt Menschen, die nur der Sieg über das Wilde fasziniert, und es gibt Menschen, die nur die Schönheit der lebendigen Kreatur bewundern möchten. Wenn man als Dresseur seine eigene Rolle ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, dann verblasst das Tier zur Requisite, und der Mensch heimst den Applaus ein. Wenn man hingegen das Pferd hervorhebt und sich selber zurücknimmt, dann gilt auch der Beifall dem Tier.

Den goldenen Mittelweg stellt die Harmonie zwischen Mensch und Pferd dar: Wem es gelingt, die Sache leicht und ungezwungen, ja spielerisch darzubieten, der läßt in der Publikumsgunst alles andere hinter sich! Denn damit erfüllt er den eigentlichen Traum, der hinter aller Tierdressur steckt – das Verschmelzen mit der Anmut der Natur. Und das gelingt immer dann, wenn der Dresseur trotz aller Konzentration lächeln kann! Denn dieses Lächeln sagt uns, dass er und sein Pferd die Sache souverän beherrschen. Das aber hängt vor allem davon ab, dass man sich Lektionen vorgenommen hat, die tatsächlich schon so weit gediehen sind: Kleine, aber leichthin dargebrachte Schwierigkeitsgrade beeindrucken den Zuschauer mehr als hochgestochene, aber unzulänglich gekonnte. So ist es allemal attraktiver, wenn das Pferd ohne viel Einwirkung des Dresseurs ein „Kompliment“ vor dem Publikum macht, als eine korrekt gerittene, aber verkrampft aussehende Piaffe gezeigt zu bekommen!

Dieses souveräne Lächeln darf freilich nicht das typische aufgesetzte Artistengesicht sein, denn unsere Wahrnehmung unterscheidet echtes von falschem Lächeln sehr genau! Gelingt es also noch nicht, wirklich frei zu lächeln, dann ist es besser, man verbirgt seine Ernsthaftigkeit nicht und bezieht so das Publikum in die Schwierigkeit von Tierdressur ein – auch das wird gewürdigt, wenn es echt ist. Sogar Fehler verzeihen die Zuschauer gerne, wenn sie spüren, dass man ihnen nichts vorgaukelt, sondern dass es eben nicht leicht ist, solche Lektionen punktgenau vorzustellen.

Zuwendung ist wichtig

Selbstvergessenes Zuwenden zum Pferd.

Die ersten Auftritte

Gelegenheiten, das Erlernte vorzuführen, gibt es immer wieder – vielleicht zunächst im engeren Freundeskreis, um die Reaktionen kennen zu lernen: Wer nicht gerade selber zur Pferdeszene gehört, der kann meist den Schwierigkeitsgrad solcher Übungen nicht ermessen. So kommt eine einfache kleine Einlage wie das Kopfschütteln („Nein-sagen“) oft besser an als z. B. das Sitzen, das nur wenigen Pferden liegt und deshalb einen viel höheren Schwierigkeitsgrad darstellt – ein Laienpublikum kann davon nichts wissen und geht einfach nach seinem spontanen Eindruck. Hat man es hingegen mit Sachverständigen zu tun, dann muss man auch deren kritischer Blicke gewärtig sein: Pferdesport ist Breitensport, und die Probleme einzelner Lektionen haben sich in den betreffenden Kreisen herumgesprochen, sodass man nicht zufrieden sein wird, wenn nur Banales dargeboten wird, oder wenn die Sache noch nicht auftrittsreif erarbeitet ist. Man muss hier gegebenenfalls auch Kritik einstecken können.

Später gibt es vielleicht Gelegenheit zu Auftritten in lokalem Rahmen: Ein Dorffest, ein Bazar, eine Weihnachtsfeier oder eine Einweihung... dann spricht sich herum, dass da ein „Pferdekünstler“ ist, den man weiter empfehlen kann, sodass es womöglich zu Anfragen für Showeinlagen kommt. Eine Zusage bedeutet dann aber auch, dass man nun in der Pflicht steht, regelmäßig zu trainieren, um keine Schlampigkeiten einreißen zu lassen, die viel schwerer zu korrigieren sein können als es das Neulernen war.

Ein Repertoire aufbauen

Ratsam ist es außerdem, nicht gleich alles preiszugeben, was man „drauf“ hat. Denn natürlich nützt sich der Effekt ab, wenn man nur für die immergleiche Nummer bekannt ist, und neue Lektionen sind ja nicht von heute auf morgen einzustudieren. Da ist es besser, sich ein gewisses Repertoire aufzubauen, von dem man nach und nach eine Nummer nach der anderen in die Darbietung einfügt, während man im Hintergrund an weiteren arbeitet.

Dies erlaubt auch, beim Misslingen einzelner Figuren spontan auf eine andere Lektion zu wechseln: Das Publikum weiß ja nicht, was vorgesehen war und wird den Umstieg nicht bemerken, wenn man etwas entsprechendes als Alternative „im Köcher“ hat. So bringt man also besser nicht alles heraus, was möglich wäre, sondern hält sich Reserven, die eingefügt werden können, wenn irgendwas nicht klappt.

Denn Tiere und Menschen haben nun mal nicht jeden Tag und unter allen Bedingungen die gleiche Form – gerade Pferde können sehr sensibel auf Stimmungsschwankungen ihrer Trainer reagieren. Sie fühlen sich dann verunsichert und verweigern womöglich sogar Standardlektionen, die sie sonst „im Schlaf“ beherrschen. Schlimmstenfalls verärgert das den Dresseur und er reagiert unwirsch, was die Sache erst recht verpatzt und dazu noch eine schlechte Ausgangsstimmung für nachfolgende Lektionen erzeugt – derlei kann ein ganzes Programm zum Scheitern bringen. Hier ist es rettend, wenn man den gescheiterten Punkt aufgibt und ohne Zögern eine Ersatzlektion einführt, statt darauf zu bestehen, dass es doch gelingen muss, und in einen Kampf mit dem verunsicherten Tier verwickelt zu werden. Denn wer so etwas als Publikum beobachtet, der kommt unweigerlich zu dem Eindruck: „Die können es nicht!“ - selbst wenn es daheim oder anderswo bisher immer funktioniert hat (was der Zuschauer ja nicht wissen kann). Und das spricht sich leider schneller herum als ein Erfolg, denn gerade in der Pferdeszene bleibt kaum etwas unbemerkt und unkommentiert. Lieber also einmal nicht das Gewohnte abspulen, sondern auf die stille Reserve ausweichen.

Die Wahl der Akteure

Manche Pferderassen imponieren schon von ihrem Exterieur mehr als andere: Friesen von ihrer Gestalt, ihrer Mähne und ihrem Habitus, Andalusier von ihrer „Knieaktion“, Knabstruper von ihrem Pünktchenfell, Shetlandponys von ihrer Miniaturniedlichkeit her, usw. – ein Minishetty kann einer ganzen Friesenquadrille die Show stehlen. Man muss sich deshalb vorher überlegen, was man zusammen stellt, wenn mehrere Akteure an einer Darbietung beteiligt sind. Im Zirkus weiß man das, und bringt meist gleichartige Tiere zusammen in die Manege, damit keines dem Anderen den Rang abläuft.

Auch allgemein sollten zirzensische Lektionen nicht Konkurrenz, sondern Freude bedeuten! Denn ausgefeilte Reglements und die großen sportlichen Vorbilder haben unter den Amateuren im Pferdewesen inzwischen vielerorts zu einer gewissen Verbissenheit geführt im Streben, den „Großen“ nachzueifern. Das aber bekommt weder den Pferden noch den Reitern – allzuoft fehlt es in dem Bemühen, perfekte und zugleich spektakuläre Gänge zu zeigen, an Losgelassenheit, an „Légèreté“. So wird das Training irgendwann einseitig und vergisst die Abwechslung und das Spielerische, das nicht nur das Pferd, sondern auch den Reiter daran erinnert, dass es um lebendige Gemeinsamkeit geht, nicht um leblose Perfektion.

Der Zauber der Natur

Und es geht auch nicht darum, eine perfekte Show zu liefern: Allzu oft sieht man inzwischen Vorführungen, in denen das ästhetische Drum und Dran, die Beleuchtung, die Dramaturgie und die Effekte eine größere Rolle spielen als die Pferde und ihr Können. Gerne wird behauptet, das heutige Publikum wolle es so, doch sobald z. B. Freiheitsdressuren ins Rampenlicht treten, in denen die Ursprünglichkeit und die spielerische Kommunikation zwischen Mensch und Tier wieder hervortritt, lassen sie alle Künstlichkeiten hinter sich, und begeistern einfach durch den Zauber der Natur – Zirkusnatur.

 

Pferde stärken mit Zirkuslektionen

 

 

 

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