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Gruppenzwang in der Gruppenhaltung?

Brennpunkt Gruppenhaltung

Oder auch: Gruppenzwang im Pferdestall?!

Autorin: Jeannie Gerber, Pferdepsychologin

Jedes Pferd kann in eine Gruppe integriert werden, aber nicht jede Pferdegruppe oder Gruppeninfrastruktur ist für jeden Pferdecharakter geeignet!

Dass Pferde uneingeschränkten, mehrstündigen Sozialkontakt benötigen, ist mittlerweile bei fast 100 % der Pferdebesitzer angekommen. Es ist schön, wenn die Gesellschaft nun endlich den Fokus auf die richtige Sichtweise legt, aber leider neigt man schon wieder zum anderen Extrem:

extrem pferdefreundlich und extrem natürlich, extrem gezwungen.

Aber was ist denn eigentlich wirklich pferdefreundlich und natürlich in der domestizierten pferdischen Umgebung? Sehr wenig!

Der Grundsatz, dass wir unsere Lieblinge selbst aussuchen, züchten und dann bestimmen, in welcher Umgebung sie ihr Leben verbringen, entspricht schon mal gar nicht der ethologischen Natürlichkeit des Equiden. Also bleiben wir doch einfach etwas realistisch und auf dem Teppich. Egal, was wir für Pferde tun, es wird nie komplett und total natürlich sein. Ausser Du besitzt einen eigenen Nationalpark, wo Du die Tiere unangetastet und frei ohne Kontrolle der Population einfach leben lassen kannst. Aber dieses Glück werden die wenigsten von uns haben.

Der pferdische Alltag

Der Pferde-Clan

Wenn wir uns an der Natur orientieren wollen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass die Pferdegruppen eine hierarchische Familiengruppe (es können auch mehrere unabhängige Familien darin integriert sein) darstellen, bestehend aus vorwiegend weiblichen adulten Equiden mit ihrem Nachwuchs und einem Hengst zur Reproduktion. Somit eigentlich zu vergleichen mit einem Clan.

In der domestizierten wirtschaftlichen Welt funktionieren die Gesetze leider etwas anders. Wird ein neuer Stall erstellt, wird Querbeet und bunt eingestellt. Nur: das bereitet eben Probleme.

Plötzlich sollen sich Junggesellen (Wallache) mit gesetzten Stuten verkuppeln und ein Leben lang mit Ihnen zusammenstehen? (In der Natur rotiert der Hengst regelmässig zwischen den einzelnen Herden, damit die Inzucht vermieden wird.) Oder viele polarisierende Charakteren treffen auf einander und sollen sich zusammenraufen? Oder Jungtiere in Rentnergruppen oder grössenungleiche Tiere mit anderen verkuppeln? Und nicht zu vergessen, dass dann jeden Monat die Karten neu gemischt werden, denn der menschliche Drang, sich einfach und bequem jederzeit zu verändern und „das Pferdle“ mitzunehmen und umzustellen, ist Fakt! „Es ist für ein Pferd auch gar kein Problem ständig herausgerissen zu werden, denn in der Natur läuft es ja auch weiter“. Ja, nur aber mit den bekannten Gesichtern…

Ethologisch betrachtet kann man aber einiges dazu beitragen, dass sich ein Pferd harmonisch und einfacher in eine Gruppe einfügen kann.

Friedliches Grasen in der Gruppe

Harmonische Gruppenzusammenstellung

Eine Gruppe sollte deswegen aus folgenden Komponenten bestehen:

  • Mindestens ein gleichaltriges Tier (im Jahrgang gemessen)
  • Mindestens ein gleichgrosses Tier, oder gleiche Gattung (Pony, Pferd, Esel)
  • Mindestens ein gleichfarbiges Tier, besonders bei Schecken zu beachten
  • Mindestens ein weitere Stute, wenn Sie eine Stute integrieren wollen

So sind die Chancen am grössten, dass sich das Pferd mit einem Hauptsozialpartner verkuppeln kann und so seinen Platz in der Herde gut findet. Optimal ist es natürlich, wenn mehrere Faktoren gegeben sind und so mehrere Beziehungen geknüpft werden können. Die gute Vernetzung ist auch für Pferde ein wichtiger Bestandteil für eine gesunde, ausgeglichene Psyche.

Austoben mit Freunden

Ein weiterer Punkt ist die Gruppeninfrastruktur

Es ist nicht jedes Pferd für die komplette 24stündige Gruppenhaltung geeignet. Im Kontext zu oben genannten Faktoren spielen noch die Charaktereigenschaften eine Rolle. Es gibt schwächere und stärkere Tiere. Jedes Tier sollte die Möglichkeit haben, ungestört und sicher seine Erholungsphasen halten zu können:

  • In Ruhe fressen dürfen, und zwar nicht nur die ekligen Heureste.
  • In Ruhe und ausgiebig zu trinken und sich hinlegen können; dies bitte trocken, windgeschützt und entspannt.

„Es liegt halt in der Natur, dass einige Tiere rangniedriger sind und unten durch müssen“. EIN ENTSCHIEDENES NEIN, die Natur würde das nach ihren Gesetzen und Möglichkeiten lösen, in dem sich das Tier entweder mit einem Hengst abspaltet und eine neue Herde gründet oder halt vom natürlichen Feind gefressen wird oder allenfalls verhungert bei Futtermangel, weil es das schwächste ist. Aber es lebt nicht auf unbestimmte Zeit in diesen unpassenden Strukturen.

Erschwerend kommen hinzu, dass die meisten Pferde ein Vorleben haben, oftmals nicht aus Gruppenhaltung. Diesen Pferden ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken, denn die sind sich so viel Action ohne Sicherheitsverschlag nicht gewöhnt und haben oft jahrelang Mühe, sich einzufinden.

„Darum rede ich in diesem Sinne von einem Gruppenzwang.“

Aus meiner Sicht ist immer zu berücksichtigen, ob es für das individuelle Equid stimmt. Gruppe ist wichtig, aber oft ist eine eigene Loge mit Nachbarn und Sozialkontakt sowie täglichem mehrstündigen Gruppenauslauf (Koppel oder Matschplatz) besser, als ein Aktivlaufstall voller unpassenden Gesellschaftern.

 

Sogar mit Kühen zusammen kann es funktionieren

 

 

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