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Gedanken zur Gehfreude des Pferdes

Die Gehfreude des Pferdes

Wenn Pferde ihre Gehfreude verloren haben, ist jegliche weitere Ausbildung, die eine vergnügliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum Ziele hat, zum Scheitern verurteilt. Ohne Gehfreude (oder zumindest ein unbeschwertes und zufriedenes Voranschreiten) fehlt das Fundament, auf dem das Kunstwerk einer soliden Pferdeausbildung errichtet werden kann. Ist eine medizinische Ursache ausgeschlossen, helfen weder Supplements oder Ostheos, noch mehr Hafer oder schärfere Sporen, denn die Ursache liegt ganz woanders.

Feines Reiten

Sich einzugestehen, dass das Pferd Lust und Interesse an der (Zusammen-)Arbeit verloren hat, kann beim denkenden und fühlenden Reiter einen tiefen inneren Prozess auslösen. Lässt er sich darauf ein, kann dieser innere Prozess zu Erkenntnissen führen, die eine Neuorientierung als Reiter und letztendlich auch als Mensch einleiten.

Kinder und Pferde haben sehr viele Gemeinsamkeiten.

Auch Kinder sind von Natur aus unschuldig, neugierig und bewegungsfreudig. Sie wollen spielen, lernen und entdecken - sich selbst, das Leben und dessen Möglichkeiten und Grenzen. Das ist es, was sie später zu starken, selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Menschen macht.

Für diesen Entwicklungsweg brauchen Kinder ein geeignetes Umfeld sowie Vorbilder und Begleiter, die sie unterstützen und ihnen einen sicheren Raum bieten, in dem sie Ermutigung und Bestärkung erfahren und ernst gemeinte Antworten auf ihre ernst gemeinten Fragen erhalten.

Fehlt es hieran, verlieren Kinder ihre natürliche Neugier auf das Leben, ihre Freude am Lernen und damit auch ihre Strahlkraft, Genialität und Einzigartigkeit. Die einen ziehen sich in sich zurück, werden brav und angepasst, lernen nur noch für Eltern, Lehrer oder dem lieben Frieden zuwillen. Andere wählen die Rebellion, verweigern das Lernen, gehen in Widerstand und Protest, schaden im Extremfall anderen und sich selbst.

Verliert ein Pferd die Motivation,

sich zu bewegen und zu lernen und sieht es keinen Sinn und Nutzen in dem, was es tun soll, so geschieht genau das gleiche. Die einen Pferde werden brav, gehorsam und ausdruckslos. Sie haben sich mit der Monotonie in ihrem Dasein abgefunden. Andere lehnen sich auf, sind unkonzentriert und stellen uns permanent in Frage. Reagiert der Reiter, meist aus Ohnmacht und begrenzten Möglichkeiten, mit übertriebener Dominanz und Strenge, macht dies die Sache nur noch schlimmer.

Zur Wiederherstellung der Gehfreude sehe ich zwei Ansatzpunkte:

Springen an der Hand

Zum einen müssen wir dem Pferd neue Bewegungsmöglichkeiten anbieten, die es aus seinem gewohnten Bewegungsschema und „Trott“ herausholen. Es muss sich wieder wundern können, überrascht sein, neue Erfahrungen machen können und frische Impulse erhalten. Der betäubte Geist und die frustrierte Seele müssen „wiederbelebt“ werden. Dabei hilft ein kreativer und abwechslungsreicher Trainingsplan.

Freiarbeit, in der Natur rumbummeln, Springen an der Hand, Springgymnastik, Geschicklichkeitsparcours, Stangen-, Gassen- und Cavalettitraining, Hangbahn u.v.m. können dabei als Muntermacher dienen.

Da Verhalten und Entwicklung eines Pferdes auch eng mit seiner Lebenssituation verknüpft sind, sollten wir uns auch diesbezüglich Gedanken machen:

  • Wie ist der Lebensraum meines Pferdes gestaltet?
  • Welche Räume stehen ihm zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zur Verfügung?
  • Welche Fürsorge wird ihm zuteil? 
  • Sind Hufe, Sattel, Trense und Fütterung in Ordnung?

Der andere Ansatz ist die Bereitschaft des Reiters, seinen Sitz, seine Hilfengebung und seine innere Haltung zu überprüfen. Hier könnten z. B. folgende Fragen Aufschluss geben:

Zu Sitz und Hilfengebung:

  • Ist meine Körperspannung zu hoch oder zu niedrig?
  • Sitze ich, von Hand und Bein unabhängig, im Gleichgewicht?
  • Neige ich dazu, mein Pferd ständig zu kontrollieren oder auf es einzuwirken?
  • Kann mein Pferd meinem Sitz und meinen Einwirkungen vertrauen?

Zur inneren Haltung:

  • Wie steht es mit meiner eigenen Lebensfreude und Unternehmungslust?
  • Warum und zu welchem Zweck reite ich eigentlich?
  • Bin ich mir der Hochsensibilität meines Pferdes bewusst?
  • Entspricht mein Wissen und Können den Erwartungen und Anforderungen, die ich an mein Pferd stelle?
  • Nehme ich meinen täglichen "Gedankenmüll" und die daraus entstandenen Emotionen mit zu meinem Pferd?
  • Auf welchen Werten basiert die Partnerschaft zwischen meinem Pferd und mir?

Die Antworten auf diese Fragen können mir wertvolle Hinweise geben auf mögliche Ursachen verlorengegangener Motivation und Gehfreude.  Sie verhelfen mir zu Klarheit darüber, mit welcher inneren Haltung ich meinem Pferd begegne, mit ihm arbeite und welche Art von Beziehung ich mit ihm pflege.

Bewusstwerdung ist für den Reifeprozess als Mensch und Reiter unerlässlich. Einem Verhalten auf den Grund zu gehen, das mir oder anderen schadet und die Lebensfreude – oder eben die Gehfreude - raubt, braucht anfänglich Mut, denn wir wissen nicht, welche „Dämonen“ sich uns zeigen werden und wo sie sich verbergen.

Wie ein Höhlenforscher mit seiner Stirnlampe können wir uns auf die Suche danach machen, was da im Verborgenen wirkt. Ehrliche Antworten auf unangenehme Fragen werden stets erhellend und befreiend wirken, und jedes Freierwerden meinerseits wirkt auch befreiend auf mein Pferd.

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