Diese 7 Punkte solltest du als pferdegestützter Coach auf jeden Fall vermeiden | 4my.horse

Suche

  • Folge uns auf

Diese 7 Punkte solltest du als pferdegestützter Coach auf jeden Fall vermeiden

Pferde Coaching Ausbildung: Diese 7 Punkte solltest du als pferdegestützter Coach auf jeden Fall vermeiden

Nachdem ich dir in den vorangehenden Blogs Tipps gegeben haben, die dich zu einem erfolg- und erkenntnisreichen Coaching führen, erläutere ich dir in diesem Artikel, welche ‚No Go’s‘ in pferdegestützten Coaching keinen Platz haben.

1. Seitengespräche

Wertschätzung ist eine wichtige Voraussetzung für eine vertrauensbasierte Zusammenarbeit und eine der einfachsten – und doch anspruchsvollsten – Art der Wertschätzung ist die authentische Präsenz. Es ist daher sehr wichtig, dass in einer Gruppe alle Zuschauer zu Beteiligten gemacht werden. Gib ihnen konkrete Wahrnehmungsaufgaben und verhindere so, dass Seitengespräche entstehen. Letztere lenken ab und sind respektlos gegenüber dem Kollegen, der aktiv am Pferd arbeitet. Lässt du Seitengespräche zu so verliert der Klient zudem die Chance auf wertvolles Feedback aus verschiedenen Blickwinkeln.

2. Sprüche klopfen und Sarkasmus

Ein Teil des Kaders einer renommierten Schweizer Firma sitzt in unserer Reithalle und die Teilnehmenden schauen einem ihrer Kollegen zu wie er Carismo über den Parcours führt. Vieles gelingt Pedro sehr gut, doch dann beginnt Carismo Unmut zu zeigen. Er wird übergriffig. Pedro lässt es mit sich geschehen und weicht immer mehr zurück. Carismo hat so ein leichtes Spiel, müpft Pedro ab und zu und definiert nun klar, wo’s lang geht.

In diesem Moment fangen die Kollegen an, sich lustig zu machen und Sprüche zu klopfen, ihre Bemerkungen werden immer sarkastischer. Pedro verliert den Faden nun ganz und verfällt ins gleiche Muster wie seine Kollegen und beginnt, sich über sich selber lustig zu machen: „Ja, ja, ich bin ja der Etagentrottel und lass mich auch von euch rumkommandieren, aber wenigstens braucht’s mich noch. Ohne mich wär euer Leben halb so lustig.“ Pedro‘s Schmerz hinter dem scherzend vorgetragenen Satz zu seinem Umgang ist deutlich zu spüren, doch die Chance zum Coaching ist vertan.

Situationen ins Lächerliche zu ziehen, Witze zu reissen, Sprüche zu klopfen oder sarkastische Aussagen sind alles Strategien um von den realen Gefühlen und von Unsicherheit abzulenken. Sei dir daher bewusst, wie du mit solchen Situationen umgehst ohne zu verletzten oder schulmeisterlich zu sein. Gelingt dir das nicht, verliert der Klient seine Chance, wertvolle Erkenntnisse mitzunehmen, im Gegenteil, seine Denk- und Verhaltensmuster werden gefestigt.

3. (Be-)werten

Wenn du ein guter Coach sein willst rate ich dir, sofort mit dem Training des NICHT-(Be-)wertens anzufangen. Es ist eine Herausforderung, glaub mir. Welches das schönere Pferd ist, ob kurze oder lange Leine, ob viel Zuspruch oder gar keinen: Was ist besser oder richtig? Warum muss alles bewertet werden? Es ist, wie’s ist. Ein ganz einfacher, aber sehr effektiver Satz. Können wir erst einmal annehmen, was ist, haben wir die Chance zur Nutzung des dahinterliegenden Potenzials und zur Wertschätzung. Sobald wir im (Be-)werten sind, kämpfen wir gegen etwas und verlieren die Chance zum tieferen Lernen. Der gewiefte Leser sagt nun: „Wertschätzung ist auch eine Bewertung“. Ja, das ist richtig, aber sie findet auf einer anderen Ebene statt, nämlich auf Herzensebene, während das ‚Werten‘ unserem polarisierten Denken entspringt und dadurch viel Schaden anrichten kann.

Ich weiss, liebe(r) LeserIn, dieser Abschnitt ist harte Kost und sehr philosophisch. Nimm ihn als Denkanstoss

Leitfaden

4. Voreilige Schlüsse

Margit, eine Teilnehmerin in der Ausbildung zum pferdegestützten Coach führt Holigane durch die Halle. Holigane geht gelassen und gemächlich neben ihr her. Alles gut, sollte man meinen. Bis Margit nach einer Weile um ein anderes Pferd bittet. Sie ist genervt, gelangweilt, fast wütend, findet Holigane öde und kann überhaupt nichts mit diesem Pferd anfangen. Claudia übernimmt Holigane. Wieder geht diese gelassen und gemächlichen Schrittes durch die Halle. Claudia entspannt sich zusehends und strahlt am Ende der Übung geradezu. Vom Standpunkt des Beobachters aus sind die beiden Szenen deckungsgleich, die Erkenntnisse der beiden Teilnehmerinnen sind jedoch komplett anders.

Wie oft habe ich erlebt, dass eine Situation bei verschiedenen Teilnehmenden fast gleich aussieht, sich das Pferd zumindest sehr ähnlich verhält, die Klienten die Situation ganz anders auffassen und mit ganz anderen Themen verknüpfen.

Je länger du mit Klienten oder Gruppen arbeitet, umso mehr Situationen am Pferd hast du schon erlebt. Wie leicht tappt man da ins Fettnäpfchen und zieht voreilig Schlüsse, meint zu wissen, welches Thema zu bearbeiten ist oder wie sich der Klient fühlt. Hüte dich davor, dies zu tun, du läufst Gefahr, den Klienten seiner ganz persönlichen Erkenntnis zu berauben.

5. Lösungen vorgeben

Die pferdegestützte Arbeit unterstützt uns Menschen dabei, uns wieder selber zu erkennen und zu unserem authentischen Kern zurück zu finden. Diesen Weg muss jeder von uns selber beschreiten, es nützt nichts, wenn wir versuchen, das Verhalten anderer zu kopieren.

Lass daher deine Klienten die Lösungen selber finden. Lass sie unterschiedliche Verhaltensweisen testen, sodass sie spüren, welche ihnen zusagt. Schreib nicht vor, wie sie eine Übung zu absolvieren haben, sondern lass ihnen Raum zum Experimentieren. Auch wenn es in dir brennt, du die Lösung oder gar die Erkenntnis in dir trägst, lass den Klienten in seinem eigenen Tempo den Weg finden.

6. Direkter Widerspruch

„Du hast das sehr gut gemacht, selbstbewusst und zügig“, meint ein Gruppenmitglied, das Rita eben während ihres Umgangs im Parcours beobachtet hat. Ich traue meinen Ohren nicht, habe ich doch eine komplett andere Einsicht gewonnen. Oder: Raphael macht einen grossen Bogen um ein Hindernis, kommt lächelnd zurück und ist der Ansicht, er hätte sein Ziel erreicht. Ein Kollege bezweifelt dies und meint: „Du hast doch aber den Parcours komplett vergessen, das Ziel aus den Augen verloren und somit nicht erfüllt“. Raphael fällt aus allen Wolken: „Nein, ich habe gespürt, dass wir nicht bereit waren, über die Reifen zu gehen und mich dann entschieden, dass wir diese auslassen. Als Chef muss ich doch das Wohl meiner Mitarbeitenden im Auge haben“. Wer hat recht in diesen beiden Situationen? Wo sind die Antworten der Klienten Ausreden um keine Fehler zugeben zu müssen, wo sind Ego-Spiele zwischen den Teilnehmenden Auslöser für Diskussionen? Lass dich in solchen Situationen einmal mehr von deiner Intuition (nicht deinem Ego!) leiten und vertrau ihr.

Beherzige jedoch auf jeden Fall die folgenden Punkte:

  • DIE Wahrheit gibt es nicht. Auch du hast sie nicht.
  • Unser Hirn filtert Informationen. Diese Tatsache führt dazu, dass wir die gleiche Situation unterschiedlich wahrnehmen. Akzeptier andere Blickwinkel.
  • Aus den oben genannten Gründen ist kein Platz für den direkten Widerspruch im Sinne von: „Das stimmt nicht“. Eine Formulierung wie: „Ich sehe das so ….“, „meine Wahrnehmung ist ….“ passt da besser.

7. Partei ergreifen

Mirko ist verheiratet und hat sich in eine andere Frau verliebt. Er ist im Coaching um mit Unterstützung der Pferde herauszufinden, was er nun tun soll. Ich fordere ihn auf, mir den Sachverhalt kurz! zu schildern. Aber Mirko ist kaum zu bremsen. Er erzählt herzzerreissende Geschichten und konzentriert sich dabei vor allem auf Szenen, in denen sich seine Frau offenbar unangebracht verhalten hat. Mirko stellt sich klar als Opfer dar. Ab und zu legt er eine Pause ein und wartet gespannt auf meine Reaktion. Er erwartet, dass ich für ihn Partei ergreife. Er schluckt ein paar Mal, als er realisiert, dass ich das nicht tue.

Warum nicht? Erstens habe ich nur eine Seite der Geschichte gehört. Zweitens würde Mirko dadurch in seinen Verhaltens- und Denkmustern bestätigt und sein Opferdasein weiter kultivieren. Sei auf der Hut, denn viele Klienten suchen zu Beginn der Zusammenarbeit jemanden, der sie in der eigenen Meinung bestärkt, was sie jedoch in ihrer persönlichen Entwicklung keinen Schritt weiterbringt.

Natürlich ist diese Liste der ‚No Go’s‘ nicht abschliessend und vielleicht wunderst du dich, warum ich nichts über den Umgang mit den Pferden geschrieben habe. Hierzu gibt es natürlich sehr viele unerlaubte Punkte. Gerade weil mir das Thema so wichtig ist, widme ich einen der nächsten Artikel den Pferden und der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd im Rahmen von pferdegestützten Coachings. Freu dich darauf.

Wenn du mehr über die Arbeit als Coach erfahren möchtest, dann lade hier den Leitfaden herunter:

Leitfaden

 

Inhalt teilen: 

Alles für die Bodenarbeit...

Alles für die Bodenarbeit

Der Onlineshop für alle, die online verkaufen möchten